Pfarrer Eberhard Geisler bei einer Predigt (Foto: Wita/Martin Fromme ) 

 

 

 

Wort zum Sonntag

 

Der nette Pfaffe und sein Heiliger Mohrenkopf

 

Von PETER BARTELS

 

Eine Woche, einen Monat, ein Jahr?  Unsereiner weiß nicht, wie alt die Story vom Pfarrer aus dem Taunus ist. DAS THEMA IST EWIG NEU: Ein Pfäfflein wollte weder einen SCHOKOKUSS, noch einen SCHAUMKUSS. Pfarrer Eberhard Geisler wollte einen MOHRENKOPF: “Weil es eben nicht dasselbe ist“… 

 

René, mein jugendlicher Reiterfreund aus älteren Sonnentagen, hat mir den Zeitungsausschnitt via Messenger geschickt. Und als Sabine dieses Wochende mal wieder einen Sechserpack „Negerküsse“ vom ALDI mitbrachte, stoppte ich meine Gier, las ausnahmsweise erst den Kartondeckel. Und rieb mir verdattert die Glubschis. Da stand wirklich nur noch „Dickmann‘S“ drauf. Nicht mal „Mann ist der Dickmann“. Aber: „Super Dickmann‘s.“ Und kleiner: „Super groß mit knackiger Schokolade“. Keine Spur von Negerkuss … Von Mohrenkopf sowieso nicht. Also Renés Messenger. Da seufzt ein sympatischer evangelischer Pfarrer mit silbernem Buffala Bill-Bart aus einer Lokalzeitung im Rheingau-Taunus-Kreis:

 

Liebe Leserinnen und Leser! 

 

Hilfe! Ich will einen Mohrenkopf Aber immer bietet man mir stattdessen einen Schokokuss oder einen Schaumkuss an. Das ist nicht dasselbe. Wissen Sie, was ein Mohrenkopf ist? Ursprünglich ist es Portrait des Heiligen Mauritius.

 

Mauritius, auch St.Maurice oder Noritz, auch abgekürzt Mohr lebte im 3.Jahrhundert. Als Anführer der Thebanischen Legion Roms weigerte er sich, Christen ihres Glaubens wegen zu töten. Wegen dieser Befehlsverweigerung wurde er hingerichtet.

 

Mauritius war Afrikaner. Sein dunkles Konterfei ziert als Standbild den Magdeburger Dom, im Wappen des Bistums München und Freising ist er als Schutzheiliger abgebildet, als solcher ist er auch in das Wappen Papst Benedikt XVI. Gewandert. Da er auch als Heilkundiger galt, wurde er zum Patron der Apotheker.

 

Moritzkirchen, Moritzapotheken oder Mohrenapothe soll auf Betreiben der Kommunalen 

A u s l ä n d e r v e r t r e t u n g ihren Namen ändern. Demnächst ist die Moritzapotheke in Wiesbaden dran. Der Mohrenkopf ist schon längst zum Schaumkuss geworden.

 

Und alles nur, weil kein Mensch mehr etwas vom Mohren, dem Moritz, dem Heiligen Mauritius weiß. Wie schade! Man muß diese Dinge ja nicht wissen. Aber die Kombination von Unwissenheit und moralischem Überlegenheitsgefühl hat noch immer Unheil gebracht. Neulich wurde mir verschmitzt eine “Schaumwaffel mit Migrationshintergund” angeboten. Aber am 2.. September, dem Gedenktag des Heiligen Mohren, kaufe ich mir einen Mohrenkopf. Komme was wolle”

 

Es grüßt Sie herzlich 

Ihr Eberhard Geisler, 

Pfarrer in Bärstadt

 

BÄRSTADT? 

 

Zweitgrößter Ortsteil der Gemeinde Schlangenbad, 1372 Einwohner, Taunus, „rechts im Hintergrund der Große Feldberg“, drei Kilometer langer, einen Kilometer breiter Talkessel, Höhe 375  bis 530 Meter NN …  Felder, Wiesen … Die bewaldeten Höhen schützen das Dorf vor der  nasskalten Witterung aus Nord und West ... So weit Wiki im Stakkato.

 

MOHREN-PFARRER? 

 

„Einen Gottesdienst mit dir mit zu erleben, ist immer etwas ganz Besonderes“, lobte Dekan Klaus Schmid (Rheingau-Taunus) in seiner Rede zum 20-jährigen Dienstjubiläum von Pfarrer Eberhard Geisler (55). Schließlich seien in der Schule Physik und Chemie seine Fächer gewesen, habe er außer Theologie auch Philosophie und Germanistik studiert. „Seit 1900 hat es 13 Pfarrer in Bärstadt gegeben“, lobte einer der Laudatoren der Kirchengemeinde. Und: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war er in der evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Prag. Dann kam der Mohren-Pastek nach Bärstadt. Der vierte Pfarrer in 15 Jahren, zwei gingen im Streit. Hut ab: Zum „20.“  spielte die Jagdhornbläsergruppe „Rallye Württemberg“ eine „Ehrenfanfare“, das einzige Signal, dass mit bloßem Haupt gespielt werde. Inzwischen fünf Jahre her …

 

Negerkuss und Judenkuchen

 

Die Mohren-Misere quält längst ganz Deutschland. „Zigeunerschnitzel“, „Zigeunersauce“, „Negerkuss“, „Mohrenkopf“ – alles, was unsereinem lieb und lecker war, fiel der gnadenlosen Inquisition der moralinsauren rot-grün gegenderten Sprachpolizei zum Opfer. Da hilft es auch nichts, dass der Jude Hendrik M.Broder neulich wieder mal auf seiner„Achse des Guten“ trotzig aufstampfte: „Ich will meinen Jodenkoek wieder haben!“ Er meinte den holländischen „Judenkuchen“ - runde Kekse zur Osterzeit, zehn Zentimeter, runde Zacken daselbst, Mürbeteig. Ein jüdischer (sic) Bäcker hat sie 1883 in Amsterdamm erfunden. Heute werden sie als „Dutch Cookies“ (Holland Kekse) sogar nach China exportiert …

 

Eskimos, Lappen und Indianer

 

Die Eskimos heissen längst „INUIT“, die Lappen „SAMEN“, die Indianer „NATIVES“, die Neger „SCHWARZE“. Noch rotgrün korrekter: Mann mit Dunklem Teint. Die rotgrünen mit dem Hexenhammer des 21.Jahrtausends vergriffen sich sogar an Gottes bunter Vogelschar: Kaffernsegler heißen jetzt „Weisbürtzelsegler“,  Zigeunervögel „Hoatzin“. „Negerfink“ und „Hottentottenente“ kamen in Schweden gleich ganz auf den Index …

 

Lieber Gott, hilf … 

 

Wann dürfen Christen nicht mehr Deinen „Leib“ (Hostie), Dein „Blut“ (Wein) trinken, um den „Bund mit Dir zu erneuern“, wie Dein Sohn beim letzten Abendmahl forderte? Unsereiner fürchtet: Erst wenn auch die letzten mit „Gesundem Menschenverstand“ aus der Kirche austreten, nur noch Shortbread zum Schotten-Whisky knabbern ... Dabei will unsereiner doch nur eines: Ich will meinen Negerkuss wieder haben! Wie Pfarrer Geisler seinen Mohrenkopf!! Und der Jude Broder seinen Judenkuchen!!! 

 

Denn „Schokokuss“, „Schaumkuss“ und „Hollandkekse“ sind wirklich was anders. Puszta-Schnitzel übrigens auch …

 


Kommentare: 5
  • #5

    Jens Giermann (Montag, 23 September 2019 14:34)

    Wäre doch nett wenn sich auch die katholische Kirche einmal mit den Fakten auseinandersetzt und nicht gleich solchen Blödsinn verzapft...
    Wahr ist, dass Mauritius (lateinisch, auch Mauricius; deutsch: Moritz, frz. Maurice; * angeblich bei Theben in Ägypten; † angeblich um 290 in Agaunum im Wallis) der Legende nach der Anführer der Thebaischen Legion war und wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche[1] seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt wird.
    Der Rest ist historisch gesehen einfach nur Blödsinn. Die älteste Mohren-Apotheke befindet sich unter diesem Namen in Nürnberg seit dem Jahre 1578. Der Name ist eine Wertschätzung der maurischen Bevölkerung, die uns die moderne Pharmazie gebracht hat.
    Die Bezeichnung „Mohrenkopf“ (Kopf eines Mohren) ist eine Übersetzung des französischen Tête de Nègre und ist 1892 in Leipzig erstmals belegt. Der Mohrenkopf in dieser Form gilt als Erfindung Leipziger Bäcker Ende des 19. Jahrhunderts. Bereits das seit 1878 in Leipzig regelmäßig erschienene Universal-Lexikon der Kochkunst kannte Mohrenköpfe und nannte sie auch Indianer-Krapfen. Die Urform besteht aus zwei Hälften, die mit Konfitüre zusammengesetzt und mit dunkler Schokolade überzogen wird. Dadurch soll angeblich die aufgesetzte Frisur afrikanischer Völker nachempfunden werden, vergleichsweise kann das Bild im korsischen Wappen als Form dienen.
    Allein die Übersetzung des franz. Tête de Nègre zeigt die Diffamierung und Herabwürdigung. Mehr muss hier nicht gesagt werden..

  • #4

    Diener Ursula (Donnerstag, 30 Mai 2019 18:55)

    Sehr geehrter Herr Geisler, sie treten bei mir offene Türen ein. Bei uns in Marburg-Biedenkopf gibt es so lange ich (67) denken kann ein Grenzgangfest wo ein Mohr mit dabei ist. Eine Person die sich schwarz anschmiert und dann beim Festzug die Zuschauer umarmt und schwarz macht, was Glück bringen soll und im momen tregt sich der Integrationsbeauftragte sehr darüber auf und verurteilt es als diskriminierend und rassistisch bezeichnet. Sollen den alle Bräuche von solchen Personen kaputt gemacht werden? Mit freundlichen Grüssen und gerne Mohrenkopf essende Ursula Diener.

  • #3

    Anne (Sonntag, 26 Mai 2019 13:02)

    Diese Artikel spiegelt perfekt die eingeschränkte Perspektivenübernahme und Willen zum Zuhören eines "alten weißen Mannes" wieder. Gespickt mit beleidigenden, diffamierenden und veralteten Begrifflichkeiten versteht er so gar nicht, warum viele derjenigen sich wehren, die mit als harmlos dargestellten Worten herabgewürdigt werden und stattdessen für selbst gewählte Bezeichnungen eintreten. Traurig für einen ehemaligen Journalisten noch nicht verstanden zu haben wie gewaltig Sprache ist und wie viele Rassismen aus der Vergangenheit reproduziert werden. Zum Glück wandeln sich die Zeiten.

  • #2

    Gabriella (Mittwoch, 13 Februar 2019 06:56)

    Die Liberalen sind die wahren Rassisten.... wer Schlechtes denkt... außerdem: wann gibt’s mal wieder Nogger?

  • #1

    Gorzitze,Klaus (Sonntag, 10 Februar 2019 16:41)

    Ein wunderbarer ehrlicher Beitrag....bei mir bleibt alles so wie es war.....ich habe es von meiner Mutter beigebracht bekommen.....und es kann nicht falsch gewesen sei.....da wir nicht viel Geld hatten....gab es bei uns öfters "Judensoße".....ein wohlschmeckendes und einfaches Essen....auch unsere Kinder nennen es heute noch so.
    Die Lachnummer in Schleswig-Holstein....hat sich ein SPD-Mitglied erlaubt....er möchte den Hindenburgdamm nach Sylt umbenennen....obwohl er nie so geheißen(gehießen) hat.....wie soll man das denn verstehen?....will man hier den Volksmund verbieten ?