Ein Herz und ein Gequäle: CEO Mathias Döpfner und seine Herrin Friede Springer (Spiegel-Online-Foto)

 

 

 Pharisäer

 

Springers Döpfner: Lang, nicht groß – Reich, leider seicht!

 

Von PETER BARTELS

 

ANGEBLICH soll er jeden Abend in einer polnischen Bibel lesen … ANGEBLICH ließ er sich wegen einer jungen aber reichen Fabrikantentochter scheiden … ANGEBLICH soll seine Herrin Friede Springer darüber sauer gewesen sein … ANGEBLICH habe sie extra ein Gartentörchen zu seinem Grundstück gehabt haben, um seine Kinderchen hüten zu können … ANGEBLICH soll sie ihm trotz „Scheidung“ 3 Prozent  des Springer-Verlages geschenkt haben … ANGEBLICH sind die 150 Millionen Euro wert …

 

Dr. Mathias Döpfner (56) war nie der „Größte“, immer nur der „Längste“ Chef des (noch immer) größten Verlagshauses Europas. KEINER war länger oben: 20 Jahre. KEINER machte BILD kleiner (OFFIZIELL): 1.316.812. Und BamS (OFFIZIELL): 726.692. Und WELT (OFFIZIELL): 76.455 (INOFFIZIELLE Wahrheit: BILD hat HEUTE weniger als 1 Mio, GESTERN 5 Mio)... KEINER verkaufte so ungeniert das „Tafelsilber“, das Axel C.Springer angehäuft hatte: Villen, Gutshäuser, Schlößchen. KEINER verhökerte so unverfroren die „Seele das Hauses“: Hörzu, Hamburger Abendblatt, BILD der Frau. Aaaber KEINER war je so gebildet wie Mathias Döpfner. Selbst Axel Caesar hatte nur Mittlere Reife … 

 

  Flötenspieler Mathias dagegen: Musikwissenschaft, Germanistik, Theaterwissenschaften …  Ab 1982 Musikkritiker für das Feuilleton der FAZ. Dann machte ihn ein ebenfalls langer  Dip.Ing. namens Schulte-Hillen („Hitlertagebücher“) für GRUNER & JAHR zum Chefredakteur „Wochenpost“, Berlin, danach der «Hamburger Morgenpest». Döpfi fuhr beide gegen die Wand. 1998 wurde er Chefredakteur der WELT, kaufte die Auflage mit 50 Mio von 190.000 auf 220.000. Dann spielte er für Friede im Berliner Springer-Club „Flügel“ … Heute ist er CEO und Miteigentümer von Axel Springer. 2016 wurde er sogar zum Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger gewählt, schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Sie ist nicht nur für unsereiner das „Fenster nach drüben“, seit „Merkel und Meute“ aus Ost- und West-Deutschland die Merkelkratur gemacht haben. Ohne Grenzen für Migranten, aber mit Mauern im Kopf von „Michel“. Die NZZ-Redaktoren Benedict Neff und René Scheu haben ein sehr langes  Interview mit Döpfner gemacht. Und er hat wiedermal sehr glänzend den Pharisäer gegeben. Hier gestrafft, gekürzt. To whom it may concern …

 

Frage

Herr Döpfner, ein gefeierter Journalist des «Spiegels» hat über Jahre Reportagen erfunden und wurde dafür in Deutschland mit Lob und Preisen überschüttet. Handelt es sich um die Geschichte eines geschickten Hochstaplers, oder steht der Fall für die Verirrungen eines ganzen Magazins oder sogar einer Branche?

 

Antwort

Mit Sicherheit kein Einzelfall, Motto: Da ist halt einer, der den Verstand verloren und betrogen hat. Der Fall hat etwas Systemisches, das zwar mit dem «Spiegel» zu tun hat, darüber hinaus aber auch ein Indiz dafür, was in der Branche schiefläuft.

 

Frage

Konkret?

 

Antwort

Relotius hat eine Ware geliefert, die gewünscht war, zweifellos nicht nur vom «Spiegel». Sie basiert auf einem Sound, den Jurys von Journalistenpreisen gefördert haben … die Ideologie eines intellektuellen Milieus, roter Faden: Antiamerikanisch … Willkommenskultur: In einem Text von Relotius träumen Flüchtlingskinder von Angela Merkel – solche Dinge werden nicht per Zufall erfunden, sie bedienen eine ideologische Erwartungshaltung. Relotius hat eine Haltung geliefert, die seine Chefs wollten, die Jurys der Journalistenpreise toll fanden. Erfinden ist leichter als Recherche.

 

Frage

Schreiben Journalisten für  Kollegen?

 

Antwort

Journalisten, Künstler in Film, Oper und Theater, gehören zur eitelsten Berufsgruppe. Viele sind getrieben, bei den Kollegen gut anzukommen. Das ist zutiefst unjournalistisch: Sie wollen das Juste Milieu ihrer eigenen Branche bedienen, statt die andere Seite der Medaille zu beleuchten. Folge: Herdenverhalten, Mainstream-Denken, Konformismus in der journalistischen Darstellung, Intoleranz gegenüber Freidenkern.

 

Frage

 Mainstream ?

 

Antwort

 Journalisten sind linksliberales Meinungsspektrum. Das ist kein Klischee. Kommunikationsforscher Professor Hans Mathias Kepplinger (Bundeszentrale für politische Bildung) ermittelte: Journalisten sind zu 36% GRÜNE, 25 %  SPD, 11% CDU/CSU, 6% FDP, 23% „Sonstige“. Deutsche Journalisten sind Links, die Leser nicht. Wenn Medien politische Positionen der Bevölkerung so verzerrt repräsentieren, führt das zur  Entkoppelung.

 

Frage

Und Axel Springer?

 

Antwort

«Die Welt» galt früher als Hort konservativer Finsternis. Als ich 1998 Chefredaktor wurde, wollte ich herausfinden, wie die Redaktion wirklich tickt. Ergebnis der geheimen Wahl: Rot-Grün hatte bei den Redakteuren (im Gegensatz zu den Lesern!) die absolute Mehrheit.

 

Frage

Journalismus oder Aktivismus?

 

Antwort

Wenn Journalisten von Aktivisten nicht mehr zu unterscheiden sind, können wir einpacken: Keinen  Journalismus, der die Welt nach eigenen Gusto verbessern will!  Wer die AfD  verhindern will, ist schon auf dem Holzweg. Er wird sie damit nur stärken.

 

Frage

 Hat Springer Mitschuld am  Rechts- Links-Populismus?

 

Antwort

Natürlich. Wenn Donald Trump nur noch als Clown dargestellt wird, denken sich die Menschen: Ganz so clownesk kann er wohl nicht sein. Und wenn die Journalisten ihn so geschlossen in die Tonne treten, gibt es gute Gründe, das schon aus Prinzip anders zu sehen.

 

Frage

Die Medienbranche steckt in der Krise – die Erlöse am Werbe- und am Lesermarkt gehen zurück. Ihr erfolgreiches Zukunftsmodell der Zeitung?

 

Antwort

Die Zeitung auf Papier wird es länger geben, als viele meinen. Aber die Zukunft liegt im Digitalen. Das Geschäftsmodell kann nur funktionieren, wenn die Leser etwas bezahlen … Das Faszinosum des Zeitungsjournalismus ist, dass er mich für etwas interessiert, von dem ich vorher noch nicht wusste, dass es mich interessieren könnte.

 

Frage

Und wie geht das?

 

Antwort

Die Themen müssen relevant sein, die Erkenntnisse müssen neu sein, die Sprache muss eindringlich sein: also konkret, sinnlich, bildhaft. Vielleicht der beste Weg, um die Leser zu binden, ist das Lachen, der Humor. Guter Journalismus ist immer auch unterhaltsam. Und natürlich muss alles stimmen – das ist furchtbar banal. Und im digitalen wie im analogen Journalismus nicht anders. Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte ... Ich glaube, eine neue Generation von Digital-Native-Journalisten steht auch für ein neues Denken. Was es nicht mehr braucht, ist Blasen-Journalismus für die Peer-Group.

 

Frage

Sie haben  bei einer Medientagung in Wien über eine «hysterische Übertreibung» der Political Correctness gesprochen. Auch diese habe Populisten Aufwind gegeben. Sind die Grenzen des öffentlich Sagbaren in Deutschland zu eng gezogen?

 

Antwort

 Wir erleben in den sozialen Medien eine Verrohung der Sprache, eine Brutalisierung bis hin zu  Gewaltphantasien. Zum anderen haben wir einen Diskurs von Wirtschaftseliten, Künstlern, Journalisten und Intellektuellen, der völlig anders funktioniert: Hier darf immer weniger gesagt werden, das Diktat der Political Correctness wird immer strenger. Tugendterror, Tugendzwang. Wir brauchen wieder mehr Freiheit, um auch unkonventionelle und unbequeme Gedanken zu ertragen.

 

Frage

 Political Correctness und Hass - gibt es da einen Zusammenhang?

 

Antwort

Bei der Political Correctness in den 1970er und 1980er Jahren ging es um Diskriminierung von Frauen, Religionen, Rassen. Die Sprechverbote und Tabus haben aber leider das Gegenteil bewirkt: Viele Leute stemmen sich dagegen, sie wählen Trump als Befreiungsschlag der Incorrectness. Traurig, aber so verläuft gesellschaftliche Dialektik.

 

Frage

Glauben Sie, dass die Migrationsdebatte in Deutschland weniger tabubehaftet ist als etwa 2015?

 

Antwort 

Nein. Die einen sagen: Wir wollen mit diesem ganzen «Ausländergesindel» nichts zu tun haben. Das ist der rechte Rand, ewiggestrige, intolerante, zum Teil auch böses AfD-Milieu. Auf der anderen Seite die Advokaten der Willkommenskultur, die immer verklemmter werden: Wer die Nationalität eines Straftäters benennen will, wird als Nazi beschimpft. Das wird nicht funktionieren. Denn die Leute kriegen ja mit, dass es auch kriminelle Migranten gibt, sie kriegen es mit, wie in bestimmten Milieus und Quartieren Straftaten zunehmen. Die einen radikalisieren also ihre Ressentiments, die anderen radikalisieren ihre Political Correctness.

 

Frage

Die bestimmenden Pole sind also die Grünen und die AfD …

 

Antwort

Die alten, grossen Volksparteien werden entzaubert. Die steil abstürzende SPD begreift sich heute als die Partei der Hartz-IV-Empfänger, nicht mehr der Arbeitnehmer. Sie sind die Grünen light. Der CDU geht es zwar ein bisschen besser, aber auch sie ist im Sinkflug. Sie überzeugt in ihrer sozialdemokratisierten Form viele nicht mehr. Gewinner sind die zwei neuen Volksparteien: die AfD, die Partei für die bösen, zornigen Modernisierungsverlierer, und die Grünen, die Partei für privilegierte Modernisierungsgewinner – das sind die zwei erfolgreichsten Zeitgeistbewegungen der Gegenwart.

 

Frage

Sie haben mal vom «Beginn der Unterwerfung» geschrieben: Gibt es in Deutschland eine übertriebene Rücksichtnahme auf den Islam?

 

Antwort

Es wird zu wenig unterschieden zwischen Islam und Islamismus. Islamisten missbrauchen ihre Religion für terroristische Ziele. Es ist mir ein Rätsel, wieso wir tolerant gegenüber Wertesystemen sein sollen, in denen Homosexuelle verfolgt oder Frauen systematisch diskriminiert und wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt werden. Es gibt eine falsch verstandene Toleranz, die dazu führt, dass radikalisierte Milieus zu verständnisvoll behandelt werden. Ein Grundgebot muss sein: Nulltoleranz gegen Intoleranz.

 

Frage

Wird Judenhass wieder salonfähig in Deutschland?

 

Antwort

Wir hatten immer rechten Antisemitismus, aber auch linken Antisemitismus … Der islamistische Antisemitismus, die aggressivste, bedrohlichste Form,  ist durch die Flüchtlingsbewegungen stärker geworden, artikuliert sich auf den Strassen. Der Rechtsstaat ist gefragt, die Zeit der Sonntagsreden ist vorbei. In meinem Freundeskreis denken viele Juden darüber nach, auszuwandern …

Freiheit ist immer etwas unbequem, aber sie ist immer schöner als die Bequemlichkeit der Unfreiheit.

 

5 Fragen ohne Antwort

 

Warum … dürfen Politchefs wie Nikoklaus Blome immer noch dem Spiegelbaron nachhecheln? Kommentar Samstag: „Kulturkonflikte zwischen Einheimischen und Zuwanderen“ –  Nicht Mord-, Todschlag, Vergewaltigung, „nur“ Kulturkonflikte?

 

Warum … ticken die Chefredakteure von BILD, WELT, BamS und WamS immer noch im Zweifel links, auf jeden Fall gegen Trump, Putin, Diesel, Kohle, Öl und Gas? Auf jeden Fall für Klimawandel?? Obwohl der Exodus der Leser, die alles anders sehen, fühlen, wissen, immer größer wird?

 

Warum … legt  immer noch die „Political Correctness“  die letzten Redakteure mit Gesunden Menschenverstand in die Ketten von „Tugendterror“, „Tugendzwang“, belegt sie mit „Sprech- und Schreibverbot“?

 

Warum … wird die AfD, die größte Oppositionspartei, immer noch bei jeder (!!) Gelegenheit in „die Tonne getreten“?

 

Warum … wagt keiner zu sagen, zu schreiben, wer die wahren Antisemiten in Deutschland sind, die Moslems?

 

Mathias Döpfner, Pharisäer, wie immer: Gewogen und zu seicht befunden …

 

(Wer das ganze, ganz lange Interview lesen möchte: KOPP Report!) 

 

 

 

 

 

 

 


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