Betina Tiedjen, NDR-Moderatorin über den dementen Papa. (Foto: WDR/Max Kohr)

 

 

Betreute Abzocke 

 

Wer zu spät stirbt, den bestraft das Leben! 

 

Von PETER BARTELS

 

Das Leben ist zu kurz um Schritt zu reiten … alter Hut! Dummerweise dauert Leben aber immer länger. Und das kann eng werden. Für die einen, weil die Kohle nicht reicht. Für die anderen, weil irgendein Schlaumeier sie einem auf den letzten Metern abluchst. Bei MAISCHBERGER waren gleich zwei, die „betreut“ beklaut wurden. Die eine verlor Hab und Gut und Wohnung, der andere eine halbe Million. „Mindestens“ 

 

Starkritiker Josef Nyary in BILD: „3 Millionen Deutsche brauchen wegen körperlicher oder psychischer Probleme einen Menschen, der sich um ihr Geld und ihre Rechte kümmert. Leider nutzen das immer wieder Gauner aus.“ … Graue Runde, zu grauer Stunde bei MAISCHBERGER. Bunt war nur Bettina Tiedjen (59) der NDR-Leuchtturm des Nordens und Andrea Schwin-Haumesser, Berufsbetreuerin. Die eine knallrot, die andere lindgrün. Sandra Maischberger (52) kam in Schwarz, die anderen in Grau. Wie das Thema um Mitternacht: „Die Betreuungsfalle: Hilflos, ausgenutzt, betrogen?“

 

 Zwei Schicksale für Hunderte, wenn nicht Tausende:  Harry Hartwig (69): Sein hilfloser Vater wurde von einer Betreuerin abgezockt. 500 000 Euro sind weg! Christa Lange (72): Sie musste sechs Jahre gegen eine ärztlich verordnete Zwangsbetreuung kämpfen. 50.000 Mark weg.

 

Dement weil Renitent

 

Die resolute Christa Lange, kastaniengefärbter Wuschel, große Hornbrille, grauer Pulli, war mal Gastronomin, „Lufthansa“, Catering. Epileptikerin! Zusammenbruch nach dem Tod des Lebensgefährten. Die Ärzte: Dement! Cornelia Stolze (52), Wissenschaftsjournalistin, schreibt seit Jahren über Demenz: „Die Diagnose wird oft zu schnell und zu Unrecht gestellt!“

 

Auch bei Christa Lange: Falsche Medikamente. Angeblich renitent. Fünf Monate  künstliches Koma! Als sie erwachte, hatte sie eine „Betreuerin“. Christa war vorher nicht reich, als sie erwachte, war sie arm. Nyary: „Wohnung weg, Möbel verramscht, Konto leer.“ Christa bei MAISCHE: „Geschirrspüler, Siemensherd (3600 Mark) entsorgt, Möbel „Sperrmüll, 50.000 weg, angeblich für die Miete.“   

 

Sechs Jahre Kampf: „Ich bin nicht dement!“ Ihr Glück: Freunde halfen - Ex-Richter, Anwältin, eine Reporterin. Frau Lange wurde lästig, aber die Betreuung los. Fatales Fazit: „Von meinen Leben sind mir noch 148 Euro geblieben!“

 

Die Talkmasterin zieht den Schwanz ein, den sie nicht hat: „Wir wollen keinen  Ärger, lassen wir die Namen mal lieber weg…“. Christa unbeirrt: „Die haben danach 5000 Euro an mich gezahlt und gleich zwei ihrer Betreuer gefeuert.“

 

Wenn der Vater mit dem Sohn…

 

Sohn Harry in Niedersachsen, Vater Hartwig (90) in Berlin. Der inzwischen demente Alte wollte da nicht weg. Also Haushälterin, fünf Minuten um die Ecke … Kaum war sie da, war das Telefon weg. Funkstille. Nicht mal Handy!! Dann war auch schon die Wohnung leer, das Konto immer leerer: „Vollmacht“. Betreutes Banking. Zweimal die Woche, mal 10.000 Euro, mal 15.000 Euro. Dann tatsächlich der Anruf der „Haushälterin“: „Ihr Vater ist Sonntag gestorben!“ Der Sohn fahndete nach Vaters letzter Adresse, nach irgendeinem Altersheim, überwies 5 Euro ans Einwohnermeldeamt, bekam sie Monate später. Anzeige! Er sucht nach Vaters 707.000 Euro, plus Wochenendhaus, plus Auto. Immerhin: Der Staatsanwalt ist endlich dran …

 

Hoffnung? Annette Mau, nette Kriminalhauptkommissarin, „jagt in Berlin Betreuungsbetrüger in einer bundesweit einzigartigen Fachdienststelle“ (Nyary). Aber: „Die Chancen sind gleich Null. Die Täter sind „vermögenslos“, die Beute ist längst im Ausland. „Betreuer“ bekommen mit der Unterschrift einen „Goldenen Schlüssel“.  Frau Kommissar: „Die beste Verfügung nützt nichts, wenn es jemandem gelingt, das Opfer einer beginnenden Demenz heimlich zum Widerruf zu überreden. Betrüger schleichen sich ins Vertrauen alter Menschen und lassen sie einfach eine neue Verfügung unterschreiben. „Da genügt ein Text auf einem Bierdecke à la Friedrich Merz“. 

 

Eine Handvoll Trost zum Schluß

 

 Betreuungs-Expertin Andrea Schwin-Haumesser, „Verband der Berufsbetreuer“, zuckt die grünen Strickachseln:. „Jeder kann Betreuer werden. Ein Stempel genügt!“ Das tizianrotgefärbte Kurzhaar, Jeans, schwarze Stifelletten-High Heels, ist von Beruf eigentlich Dipl.-Verwaltungswirtin. Rat: „Wenn schon Betreuer, dann am besten über unseren Verband, bei uns sind sie zertifiziert: Vorkenntnisse, Fachausbildung, Fortbildung“. Immerhin, sie enthüllt auch: „Betreuer kriegen 44 Euro/Std, berechnen pro Patient 3,3 Stunden, betreuen im Schnitt aber 4,1 Stunden.“  Sie sei seit 18 Jahren Betreuerin. Schuld an der Abzocke ist – natürlich – der Gesetzgeber. „Viel Stoff für Polizei, Presse, Profis und Betroffene“, hofft Nyary. Vor allem viel Zoff … Hast schon recht, Kollege.

 

NDR-Moderatorin Bettina Tiedjen, der Star mit den riesigen Roma-´Ringen am Ohr (Gender halt, liebe Zigeuner!!), ist schockiert: Ihr Vater, der Architekt, zeigte mit 82 Jahren die ersten Symptome: „Schlüssel im Tiefkühlschrank, dreimal am Tag für 20 Euro zum Geldautomaten.“ Als Vater sich immer öfter verschluckte, die Speisen in die Lunge gerieten, Lungenentzündung. Die drei Töchter entschieden: Magensonde!! Bettina:  „Da ist er aufgeblüht wie eine vertrocknete Topfpflanze, die plötzlich wieder begossen wird“. Und: „Ein paar Monate später, ist er ganz friedlich gegangen.“

 

„Goldener Rat“ der Kriminalpolizistin: „Geben Sie Ihr Geld aus, so lange Sie noch können!“

 


Kommentare: 2
  • #2

    Jonathan Bambulie (Samstag, 23 Februar 2019 22:35)

    Tja, die Zeiten ändern sich eben. Früher gab es jede Menge Grabräuber die alles ausbuddelten was sie tragen konnten, vor allem in Ägypten. Heutzutage nennt sich der Grabräuber einfach Betreuer und hat es viel einfacher sich zu bereichern. Und das sogar noch zu Lebzeiten des zu betreuenden "Objektes".

  • #1

    Gorzitze,Klaus (Donnerstag, 21 Februar 2019 22:09)

    Das sind staatlich, genehmigte Betrügereien.....weil nichts kontrolliert wird....wer alles verjubelt,vor seinem End.....der macht das beste Testament. Oder…….Reise vor dem Sterben.....sonst reisen Deine ERBEN.