Häppy Börsday!

DDR und BRD = Deutschland. Blick zurück ohne Zorn. Da wird manches Auge feucht...

 

 

 

 

 

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Eine Träne für die DDR …

 

Von PETER BARTELS

 

Jürgen Elsässer hat der DDR zum 70.Geburtstag ein Ständchen geschrieben. Fünf Strophen. Unsereiner wäre nie drauf gekommen… Dabei hat der Mann bei Lichte betrachtet sowas von recht, dass es schon fast weh tut; sooo habe ich den verdammten Mauerstaat noch nie gesehen. Ich, der Beton-Wessi gegen die SED-Beton-Köpfe des Mauer-Staates. Mit BILD, als BILD noch BILD war. Dabei war wirklich nicht alles schlecht…

 

Keine Bange, der alte Holzmichel hat noch alle Maschen im Maschendrahtzaun. Die Ulbrichts, Honeckers, Mielkes sind für ihn immer noch das Schlimmste, was den einst 18 Millionen Ost-Deutschen nach Hitler passieren konnte. Eine Handvoll geistiger Tiefflieger, nützlicher Idioten für Lenin, Stalin und Berija aus dem verwanzten Moskauer „Migranten“-Hotel Lux … Ihre Maue, ihr Stacheldraht versperrten nicht nur den Ossis den Weg nach Westen, sondern den Wessis auch den freien Blick nach Osten. 

 

Hüben die soziale SPD, drüben die sozialistische  SED. Beide rot. Über allen die schwarz CDU. Im Goldenen Westen christlich, im verrosteten Osten marxistisch. Fleißig  waren nur die Menschen. Die einen in der Schwarzen Pumpe, die anderen im Schwarzen Loch …  Normative Kraft des Faktischen im Westen: Amerika: Nescafé, Nylons, Nyltest; Rock’n Roll und Schnulzen. Im Osten: Sowjetunion: Blümchenkaffee, Silastik, Bückware; Marschmusik und Schnulzen. Hier Käfer, da Trabi. Hier Hendl, dort Broiler. Die Wampen Ost waren genauso fett, wie die Wampen West. Den „Arbeiter und Bauern“ aus dem Sozialisten Paradies reichten 1989 eine Banane und eine Handvoll D-Mark, für die man sich wirklich was kaufen konnte …

 

Alles oberflächlich? Jürgen Elsässer geht im neuen COMPACT tiefer. Viel tiefer. Wessi oder Ossi – Ihr  werden beide verblüfft sein. Verdammt verblüfft …   

 

70 Jahre DDR

    

Am 7. Oktober jährt sich die Gründung der DDR zum 70. Mal. Das BRD-Establishment wird das Datum ignorieren oder der politischen Leiche ein paar Flüche ins Grab hinterherrufen. Ich möchte den Anlass aber nutzen, um der untergegangenen Republik eine Träne nachzuweinen – obwohl ich längst mit meiner kommunistischen Vergangenheit abgeschlossen habe. Vielmehr hat meine Ostalgie ihre Wurzeln im Patriotismus. Mein Geburtstagsständchen hat fünf Strophen.

 

Erstens 

war die DDR zwar nicht der demokratischere, aber der deutschere Staat von beiden. Die

«roten Preußen» (Wolfgang Venohr) hielten die Sekundärtugenden des Alten Fritz hoch, während sie in der Bundesrepublik nach 1968 schrittweise vergammelten. Die Uniformen der NVA, der Stechschritt Unter den Linden, die Klassiker an den Schulen – die Traditionen unseres Volkes wurden bewahrt, so wie auch das heute verfemte V-Wort selbst allgegenwärtig war. Das Kinderlied «Unsere Heimat» der Parteijugend FDJ ist eine der berührendsten Liebeserklärungen und noch heute im Osten jedermann vertraut. Ein vergleichbar populäres Lied, um die Jugend zum Patriotismus zu erziehen, hat der westli- che Teilstaat nie hervorgebracht.

 

Zweitens 

war die Ausländerpolitik der DDR vorbildlich. Aus Vietnam, Angola, Mosambik und anderen Bruderstaaten wurden in begrenzter Zahl junge Menschen aufgenommen, in den Kombinaten tatsächlich zu Fachkräften ausgebildet und anschließend wieder in ihre Heimat zurückgeschickt – damit sie dort beim Aufbau helfen konnten. Das war wahrer Internationalismus – während heute nackter Antinationalismus regiert: Er zerstört das eigene Volk durch Überfremdung  ebenso wie die Herkunftsstaaten, denen die vitalsten Altersgruppen abgesaugt werden («Braindrain»).

 

Drittens

 war die Bildungspolitik besser. Der Autor kann ein Lied davon singen: Ich war 14 Jahre lang Lehrer in Baden-Württemberg. In den 1980er Jahren hatte ich viele Kinder von DDR-Übersiedlern – es waren immer die Besten der Klasse. Rechtschreibung, Rechnen, Sport, Disziplin, Höflichkeit – alles hat gestimmt. Die hochwertige Schulbildung ermöglichte den DDR-Bürgern, die allgegenwärtige Propaganda der SED zu durchschauen. In der heutigen BRD ist die linke Gleichschaltung via Lügenpresse ähnlich schlimm – erschwerend kommt aber hinzu, dass die Jugend von den staatlichen Erziehern verdummt wird, sodass sie nicht mehr in der Lage ist, sich der Manipulation zu entziehen. Die Kommunisten lieferten den Menschen dagegen die geistigen Waffen, mit denen diese ihre Herrschaft kritisieren und schließlich beenden konnten.

 

Viertens 

war die Familienpolitik besser. Die von der Partei geförderte Berufstätigkeit trainierte den Frauen nicht den Kinderwunsch ab – vielmehr ging beides Hand in Hand. Unterhalb der Altherrenriege von ZK und Politbüro gab es viele weibliche Führungskader, und zwar ganz ohne Feminismus und Quote. Schlichter Wahnsinn wie Gender Mainstream hätte im Sozialismus nie den Hauch einer Chance gehabt.

 

Fünftens 

war der Antifaschismus im Vergleich zu heute gemäßigt. Zwar wurde er benutzt, um Oppositionelle mit dem Nazi-Vorwurf zu verfolgen – ganz wie in der Gegenwart. Aber die strenge Unterscheidung zwischen Nazi-Führung und Volk ermöglichte es der SED, letzterem den Schuldkult zu ersparen und «der Zukunft zugewandt», wie es in der Becher-Hymne heißt – den Alb der zwölf Jahre abzuschütteln.

 

Kein Zweifel: Die DDR war ein Unrechtsstaat. Mauer, Stasi, Stacheldraht – wer könnte das vergessen. Die SED unterdrückte das Volk, der Sturz des Regimes war ein Befreiungsschlag. Doch mit dem sozialistischen ging auch das deutsche Erbe verloren. Kann dieser Fehler nach der schönen AfD-Devise «Vollende die Wende» korrigiert werden?

                                                                                               

 

 

 

 

Jürgen Elsässer*

 

 

*Chefredakteur COMPACT, 

heute mindestens so gut, wie der 

„Spiegel“, als er noch SPIEGEL war ...

Leider nur einmal im Monat, 

diesmal Samstag, 28.September. 

 

Titel: „Betrug am Wähler“ / Wer CDU wählt, bekommt die Grünen. 

Oder: „Der Feind im eigenen Land“/ Ossi-Bashing in der bunten Republik. 

Oder: „Sechs Musketiere gegen Schwarz-Grün“/ Rebellen in der CDU

Oder:„Asyl-Gewalt: Eine vorläufige Bilanz“ /Die Opfer der Willkommenskultur

Uuund: „Nazi wider Willen“/ Interview mit Matthias Matussek

 

 

COMPACT, der neue Titel, nächste Woche am Kiosk...