Elektro-Tretroller

Spielzeug für GRÜNE Antonias oder Entlastung für die Innenstadt? Fragt nach in Frankreich...

 

 

 

 

 

 

 

Tritt in die Tonne?!

 

 

Von GABY RÖHR

 

Albern, lächerlich, infantil – erwachsene Menschen auf kleinen, schmächtigen Tretrollern.  Schenkelklopfer!! Wichtig dreinschauende Kostümchen- und Anzugträger auf dieser hippen, urbanen Fortbewegungs-Variante. Immer schön brav Trend, Zeitgeist und Mode folgend. Aber Fußbetrieb war gestern, nun sind sie elektrifiziert, die Tretroller. Und gefährlicher …

 

 Deutschlands neues Modemobil – der Elektro-Tretroller. Seit Mitte Juni ist er zugelassen auf deutschen Straßen und schon häufen sich die Unfälle mit nicht unerheblichen Verletzungen wie Knochenbrüche und Kopfverletzungen.  Selbst Todesfälle gab es schon. Dr. Christopher Spering, Unfallchirurgie Uniklinik Göttingen: „Wir wissen aus internationalen Studien und Daten, dass das Verletzungspotenzial beim E-Scooter-Fahren sehr hoch ist.“ Und: „Ich frage mich, ob wir gut genug darauf vorbereitet sind.“

 

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht offenbar keine Probleme. Für ihn sind die „Elektrokleinstfahrzeuge“, wie sie offiziell laut Verordnung heißen, DIE Lösung für innerstädtische Verkehrsprobleme wie stundenlange Parkplatzsuche, nervige Staus, Verkehrschaos. "Wir wollen neue Wege moderner und umweltfreundlicher Mobilität in unseren Städten.“ Und: „Damit ebnen wir den Weg für die Mobilität der Zukunft und sorgen gleichzeitig für Sicherheit (!!) auf unseren Straßen“. 

 

Erhöhte Unfallgefahr? Verletzungen? Mit Todesfolge? Alles kein Thema für Minister Scheuer.  Sein ministeriales Gesäß wird schließlich bequem und sicher in der dick gepolsterten Dienst-Limousine durch die Gegend kutschiert…

 

Ab 14 darf jeder Sterben …

 

Ab 14 Jahren darf nun jeder mit 20 km/h ohne Führerschein (!) auf den kleinen, wackligen Elektro-Tretrollern durch die Gegend düsen. Es besteht lediglich eine Versicherungspflicht, per Aufkleber zu dokumentieren.  Fahrradwege und Radfahrstreifen dürfen benutzt werden. Fehlen diese, geht´s auf die Straße. Gehwege sind tabu. Immerhin. Denn Frankreich hat bereits einschlägige Erfahrungen mit der Gehweg-Nutzung durch die Elektro-Flitzer machen müssen und verbietet diese ab September. Verkehrsministerin Elisabeth Bonne  im Interview mit der Tageszeitung „Le Parisien“:  „…damit Fußgänger nicht länger gegen Häuserwände gedrückt werden“. Oh là là …

 

Elektrokleinstfahrzeuge (Papierdeutsch in seiner schönsten Form…) müssen laut Verordnung eine Lenk- oder Haltestange besitzen und „mindestens eine helltönende Glocke“. Schlussleuchte und Rückstrahler dürfen (!) verbaut sein. Schlussleuchten dürfen (!!) sogar zusätzlich mit einer Bremslichtfunktion ausgerüstet sein. Kurz: kein Bremslicht, kein Blinker! Und damit wird´s heikel. Bremsvorgänge der Elektro-Flitzerchen sind für andere Verkehrsteilnehmer nicht zu erkennen. Und das im fließenden Straßenverkehr? Halleluja!  

 

Ohne Helm und Hand …

 

Richtungswechsel per Handzeichen anzeigen? Der Elektro-Tretroller lässt sich nicht einhändig fahren. Kurzes Board, aufrechte Fahrposition, kleine Rädchen. Eine extrem wacklige Geschichte, Festhalten ist angesagt. Dafür gibt’s nur den schmalen Lenker an einer dünnen Stange. Mit einer Hand wedeln, um das Abbiegen zu signalisieren? Schwierig, seeehr schwierig! Und gefährlich! Zudem reagieren die Minirädchen der E-Roller äußerst empfindlich auf jede Unebenheit der Straße. Jedes Schlagloch, Splitt und Kopfsteinpflaster sind eine zusätzliche Gefahr. Und zack, haut´s einen auf den Asphalt. 

 

Auch beim Zusammenprall mit anderen Verkehrsteilnehmern hält einen nichts oben, man wird regelrecht vom Brett katapultiert. Selbst abruptes Bremsen ist mit den E-Miniflitzern für ungeübte Fahrer ein riskantes Unterfangen. Und das alles ohne Helm, denn eine Helmpflicht gibt es nicht. Massive Schädel-Hirn-Traumata selbst Querschnittlähmungen sind so vorprogrammiert, befürchten daher Mediziner zu Recht.

 

Aber mit Elektro App …

 

Aber wen interessieren schon irgendwelche Kollateralschäden, wenn es um den schnöden Mammon geht. Sharing-Anbieter wittern bereits das dicke Geschäft mit den elektrischen Flitzern und schon drängen in Deutschlands Großstädten die ersten Firmen mit tausenden Exemplaren auf den Markt. Elektro-Tretroller lassen sich nun an jeder Straßenecke spontan und unkompliziert über eine App ausleihen. Abgestellt werden sie dann, wo es gerade beliebt. Und da stehen oder liegen sie – oft verkehrsbehindernd - herum, bis sie ganz traditionell von guten, bewährten Automobilen der Verleihfirmen rund um die Uhr wieder eingesammelt werden.  Zur erneuten Akku-Aufladung oder auch gleich zur Müllkippe …

 

Denn die überwiegend in China billig hergestellten Leihroller halten im Sharing-Betrieb laut einer US-Studie aus Kentucky durchschnittlich nur 28 Tage! Dann sind sie reif für die Entsorgung. Oder vermüllen gleich die Städte. So ein kaputtes Teil ist schließlich für eine schnelllebige Spaß-Gesellschaft lästig und nervt. So werden die „Roller-Leichen“ einfach liegengelassen oder gerne auch in Flüsse und Seen entsorgt. Das zeigen jedenfalls die Erfahrungen anderer Länder. Umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Automobil, wie vollmundig propagiert? Wohl kaum!

 

Entsorgung à la francaise …

 

Verkehrsminister Scheuers mit persönlichem Eifer vorangetriebenes Projekt scheint völlig unausgegoren. Deutschland rennt mal wieder einem internationalen Trend hechelnd hinterher, weiß aber nicht, auf was man sich tatsächlich einlässt. Während andere Länder wie USA und Frankreich bereits versuchen, die Flut der Elektro-Roller durch schärfere Regelungen einzudämmen, taumelt Deutschland gerade erst arg- und ahnungslos in den Elektro-Roller-Hype. Und anstatt erst mal den gnadenlosen Nahkampf, der tagtäglich auf deutschen Radwegen und Bürgersteigen stattfindet, zu entschärfen und die Infrastruktur zu verbessern, schafft man durch ein neues Verkehrsmittel eine zusätzliche Problematik.

 

Frankreichs findige „Gelbwesten“ fanden übrigens eine weitere bemerkenswerte Nutzungsmöglichkeit der handlichen Elektro-Roller. Bei ihren Protesten gegen die ungeliebten Reformvorstellungen von First Altenpfleger Macron setzten sie die E-Flitzer als Wurfgeschosse  gegen gewaltsame Polizisten ein. Müll-Entsorgung  à la française. Deutsch: Tritt in die Tonne …

 

5 Angebote von ein paar Dutzend, sogar BMW hat ein "Geschoss" produziert....

 

 

 

Jeder guckt hin, wo er will, wenn erst das Röckchen lautlos im Winde flattert...