Hart aber sterblich

 v.l.: Jens Spahn, Annalena Baerbock, Michael und  Ulrike Sommer, Werner Bartens  (Foto ARD)

 

 

 

 

 

 

 

 

Hannemann, stirb Du voran …

 

 

 Es gibt Menschen, die ihr Herz spenden, ihre Leber. Wunderbar / Aber ich kann nicht an den Tod denken. Ich will es auch nicht / Organspende ist an den Tod denken / Es ist wie Schmetterlinge fliegen nicht mehr, Blumen atmen nicht mehr / An den Tod zu denken ist das Furchtbarste” 

                                                                   Herzlichst, Ihr F. J. Wagner …

 

 

Von PETER BARTELS

 

Natürlich ist es NICHT furchtbar, an den Tod zu denken. Furchtbar ist, sich vorzugaukeln, man lebt ewig. Aber der BILD-Postbote (76) gaukelte sich schon immer durchs Leben … Für den gläubigen Christen (ohne Steuerklingelbeutel) gilt Seneca’s Kalender-Philosophie: „Wir werden geboren, um zu sterben.“ Punkt.

 

Je früher wir diesen Gedanke üben, desto leichter fällt uns später die Kiste. Der Grufti bedauerte es schon mit Sieben, lernte trotzdem Lachen und Leben, ist mit Siebzig ready to go. Wann immer. Natürlich ist es am schönsten, gesund zu sterben. Im Schlaf. Oder der Blitz beim Sch … Plötzlich und unerwartet. Lotto. Leider …

 

Und leider warten täglich Tausende auf ein neues Leben. Mit dem Tod vor Augen. Sie warten auf ein neues Herz, eine Niere, Leber, Lunge, inzwischen sogar auf eine  Bauchspeicheldrüse. Sie warten auf ein Organ. Es gibt dramatisch zu wenig Spender. „Hart aber fair“, diesmal nicht “Hart aber leer”, diesmal “Hart aber sterblich”. ARD, Montagabend: „Moralischer Zwang zur Organspende: Wollen Sie das, Herr Spahn?“

 

Herr*in Gesundheitsminister*in Spahn (38) will sich erstmal einen weissen Fuß machen. Er will die sogenannte „Widerspruchslösung“. Brief, Frage: Spender nach nach dem Tod? Wer nicht NEIN sagt, sagt JA für die Ewigkeit. Automatisch.  Ob er sich’s inzwischen anders überlegt hat oder nicht. Der OP wartet. Narkose. Skalpell. Gefriereimer. Tatütata!! Flugzeug. Ab nach Irgendwo. Flug in die Verlängerung …

 

Das ist herzzerreißend …

 

Frank Plasberg (61) fragte eine junge, hübsche “Empfängerin”. Chantal: „Das zerreißt einen natürlich. Man wartet, dass jemand stirbt und das Organ passen könnte. Man lebt auf diesen Moment hin. Das ist unheimlich belastend …

 

10 000 Patienten warten, Chantal: „Das ist herzzerreißend. Man muss diesen Menschen doch helfen.“ Natürlich ist sie für den “Widerspruch”. Und natürlich weiß sie nicht, wem ihr neues Herz mal gehörte. Auch nicht, warum sie jetzt vielleicht „Gefühle“ hat, die sie früher nicht kannte …Der nächtliche Tarnkappen-Zausel von BILD flennt ins Notebook: “Die ersten Minuten der Sendung sind herzzerreißend.” Immerhin auch (Schnäuz!): „ Kein Thema für Talk-Show-Zoff. Es geht um Leben und Tod.” Donniwetti …

 

Werner Bartens (53), Mediziner & Redakteur der „Süddeutsche Alpenprawda” ist gegen die “Organentnahme”. Für ihn muß der Körper auch im Tod „unversehrt” bleiben. Auch die pausbäckige GRÜNE Annalena Baerbock (38) ist gegen die “Widerspruchsregelung”: „Viele öffnen den Brief erst gar nicht …  Jeder Bürger soll stattdessen beim Antrag auf einen  Personalausweis persönlich gefragt werden, ob er spenden will oder nicht.”

 

Man muß nicht GRÜN, kann trotzdem dafür sein; gerechter, demokratischer geht’s nicht. Das junge Herr*in Spahn, Kathole, trotzdem “mit meinem Mann (BUNTE-Redakteur) glücklich verheiratet” dialektelt herzig: “Widerspruch ist keine Pflicht zur Spende. Es ist eine Verpflichtung, sich damit auseinanderzusetzen.“ 

 

Eine Sache zwischen zwei Menschen

 

Jawoll, Herr Junglehrer!! Methusalem steht ja schon freiwillig in der Ecke und glotzt die Wand an … Im Ernschtel (sic): Das lange Kerlchen mit dem schütteren Haar (seit wann kriegen Frauen Glatze? Ach so, „Frauen“…) will als künftiger Kanzler*in nur auf der Agenda bleiben. Und da wird ihm sein BUNTE-Berater geraten haben: Du brauchst einen thematischen Dauerbrenner, der allen unter die Haut geht. Auf Tod oder Leben. Was „Ehepaare“ halt so bei BILD, Brötchen und Nutella quatschen … „Huch! Meinst Du?, Männe?“

 

Bei Plasberg sind auch zwei, die dem Leben eine Verlängerung abgeluchst haben: Michael (67) und Ulrike (61) Sommer. ER spendete IHR seine Niere. Sie kurz vor der OP: „Von dir nehme ich gern eine Niere. Das ist ein Geschenk. Aber ich kann kein Organ eines Toten annehmen, weil ich nicht bereit bin, meine eigenen zu spenden.“ Der Ex-DGB-Chef: „Das ist eine sehr persönliche Situation zwischen zwei Menschen. Man muss sich auch über die Risiken im Klaren sein. Ich bin darüber gut aufgeklärt worden.“

 

Ich will gar nicht erst gefragt werden …

 

Der Medizinjournalist Bartens ist gegen Spahns Vorschlag: „Ich will auch gar nicht erst gefragt werden, das ist moralischer Zwang, das lehne ich ab!“ Und dann:

„Es ist ja nicht so, dass man garantieren kann, mit einem neuen Organ beschwerdefrei zu leben.“ 

 

Mitnichten tun sie das, im Gegenteil: Nicht selten wandeln die neuen „Herzen“ wie Untote vom Hausarzt zur Klinik, werden mit Medikamenten vollgepäppelt, um endlich wieder in den heimischen Sessel zu sinken. Das sagt bei Plasberg zwar keiner, ist aber so. Bartens hat wenigstens ein Dichter-Zitat: „Den eigenen Tod sterben wir. Mit dem Tod der anderen müssen wir leben.“ 

 

Was den weißhaarige BILD-Greis schon wieder schniefen läßt: „Nicht gerade ein Trost für die, die auf ein Spenderorgan warten, um weiter leben zu können.“ Trost alter Mann: Bartens Frau hat immerhin einen Spenderausweis …

 

Wer stirbt ist nicht tot …

 

Jedenfalls ist die Spender-Ablehnung des süddeutschen Arztes eine vehemente Bestätigung für Dr. Georg Meinecke, Doyen der deutschen Patientenanwälte (erfolgreichste ZDF-Serie aller Zeiten, 39 Folgen oder so). Er geht mit seinem Kreuzug Politikern und TV-Sendern seit ewig auf den Sack. Und war leider nicht geladen, vom WDR … Dabei hat Georg der Graue recht, wie keiner: „Wer stirbt, ist nicht tot. Noch lange nicht.“ … 

 

Auch Heerscharen von Medizinern berichten bücherweise, wie die „Toten“ auf dem OP-Tisch plötzlich zu zappeln anfangen … das Scalpell mit der Hand abwehren …Sich auf die Seite wälzen … Erst als das zu oft passierte, entschied die WHO  (Weltgesundheitsorganisation) verbindlich: Grundsätzlich Narkose! Und erst seitdem kriegt der „Tote“ (Spender) im Tiefschlaf den eiskalten Griff nach seinem Herzen nicht mehr mit. Es pocht nur noch, bis jemand den Stecker zieht. Und erst dann fängt auch das Gehirn (oder die Seele) jenseits der Nulllinie an, zum Licht am Ende des Tunnels zu fliegen …

 

Ersatzteillager Mensch

 

Dr. Meinecke: „Spenden ist KEIN Akt der Nächstenliebe … Es ist nur eine „Organentnahme“. Ulrike Sommer: „Das macht aus jedem Menschen ein Ersatzteillager.“ Sie hört schon die drängelnde Frage bei der Ausgabe des Personalausweises: „Na, Frau Sommer, wollen Sie nun einen Spenderausweis oder nicht?“ Nieren-Spender Sommer nach fünf Jahren mit nur einer Niere: „Auch mir sind fünf Jahre meines Lebens geschenkt worden.“ Klar, weil ihm die geliebte Frau blieb. Also sagt er: „Ich kann nur jedem sagen: Tun Sie es. Sie helfen sich und einem Menschen, den sie lieben. Es war wie die zweite Eheschließung.“

 

Natürlich eiert Frau Jens Spahn ..

 

Aber die GRÜNE Pausbacke kann auch „Betroffenheit“: „Bei uns an der Schule war ein  Mädchen, das eine Knochenmarkspende brauchte. Seitdem halte ich Organspenden für absolut richtig. Natürlich freiwillig“. Und natürlich eiert Frau Jens Spahn durch seine Zahnlücken: „Lange Schlange, alle drängeln, alle hören zu.“ Er „würde“ (Neudeutsch!) den GRÜNEN Vorschlag für einen falschen Ansatz halten …“Würde“, der Feigling tut es aber nicht, er „würde“ bloß … 

 

Denn: „Da kommt man auf die „schiefe Bahn“ … Da stellt sich die Frage, wo ist der Anfang, wo das Ende“. Und dann kommt er mit den üblichen EU-Eumeln: „In Europa haben von achtundzwanzig Staaten zwanzig eine Widerspruchslösung.“ Man rätselt, in welchen Kreisen der schwule Spießer „verquer“ verkehrt… Und von Online scheint er auch noch nix gehört zu haben. Na ja, bei der Chefin im Kanzlersessel …

 

 Plasberg macht trotzdem Mut: „Man muss nur den Hintern hochkriegen vom Sofa!“ Das dürfte schwer sein, bei der Riesenkiste der Dame …

Der Patientenanwalt Dr. Georg Meinecke: "Danach" Dauerpatienten der Medizin! (Foto: Privat)