Gleichschaltung

Tilman Kuban, Vors. Junge Union:"Gleichschaltung." (Foto: Ju-Niedersachsen.de)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Menschen werden Merkel …

 

Von PETER BARTELS

 

 Alle Menschen werden Brüder/ Wo dein sanfter Flügel weilt/Wem der große Wurf gelungen/

 Eines Freundes Freund zu seyn/Wer ein holdes Weib errungen/Mische seinen Jubel ein!

 

So schrieb Schiller es dereinst für Beethovens „Ode an die Freude“. Oder klaute sie ihm. Egal. Es wurde das schönste Lied der Menschheit. Nicht ganz egal: Die EU-Fressäcke haben aus dem Song die Europa-Hymne gemacht. Den Text müssen sie inzwischen etwas ummodeln: „Alle Menschen werden Merkel“ … 

 

Natürlich würde unsereins dann nicht mehr singen: „Tochter aus Elisium/ Wir betreten feuertrunken/Himmlische, dein Heiligthum“ … Schon gar nicht: „Wer ein holdes Weib errungen/Mische seinen Jubel ein.“  Logisch! Wer will schon Pack sein. Nazi. Womöglich AfD-Wähler!! Henryk M.Broder hat kürzlich in der WELT über den neuen Vorsitzenden der Jungen Union geschrieben. Tilman Kuban. Das Kerlchen hat tatsächlich im Überschwang des Sieges von einer Gleichschaltung in der CDU gesprochen. Shitstorm!! Einen Tag später zog der Bengel den frechen Schwanz wieder ein. Er entschuldet sich für die  „falsche Wortwahl“. Broder: „Hat er wirklich etwas Falsches gesagt?“

 

CDU-Molly-Mops Tilman Kuban, curriculum vitae: Abi, Jura, Referendar OLG Celle, Unternehmerverband Niedersachsen (Leiter Recht und Nachhaltigkeit). Natürlich Aufsichtsrat:  Stadtwerke Barsinghausen. Das reicht. Danach nur noch rauf: CDU-Ratsmitglied Barsinghausen, Landesvorsitzender Junge Union Niedersachsen, Spitzenkandidat EU-Wahl im Mai, Listenplatz 4, also drinn. Gehalt ab Mai: Rund 10.000 Euro brutto. Plus 25.000 € für Mitarbeiter, plus 160 € Sitzungsgeld für ausserhalb (Straßburg und so), plus 1. Klasse-Ticket, plus Hotel, plus Rentengeld; und alles mit 31 Lenzen. Je nun: Flaschenpfand-Renter (71) gönnen sich ja sonst nix ... SPD-Bestman Martin Schulz wurde so jedenfalls in kürzester Zeit Millionär. Und zahlte einen hohen Preis: Er hatte sogar Heilig Abend eine Sitzung. Dummerweise erfuhren wir alle davon. Die knirschende, gleichgeschaltete Presse auch …

 

Klima-Greta oder Kanzlerinnen-Kritiker …

 

Henry M.Broder: „Während der Hype um unsere Klima-Prophetin Greta langsam abnimmt, gerät eine andere politische Nachwuchskraft in den Fokus der öffentlichen Meinung. Der neu gewählte Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, mit 31 Jahren fast doppelt so alt wie Greta und nur zwei Jahre jünger als der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, hat in einem Zeitungsinterview massive Kritik an der Politik der Bundeskanzlerin geübt.

 

Er stellte die Rechtmäßigkeit der Grenzöffnung 2015 infrage, sinnierte darüber, „ob die Abschaffung der Wehrpflicht … wirklich klug war“, nannte den kurzfristigen Atomausstieg „einen Fehler“ und outete sich als Gegner des Mindestlohnes. Alles zusammen hätte gereicht, um Kuban zu einem Ernteeinsatz nach Kuba zu schicken, wo er Gelegenheit gehabt hätte, sich mit anderen Dissidenten auszutauschen.

 

„Gleichschaltung wie bei Adolf?

 

Aber das war eben nicht alles. Kuban sagte auch, „in den letzten Jahren“ hätten sich „viele in der CDU nicht mehr wohlgefühlt, weil wir bei unserer Ausrichtung eine Gleichschaltung erlebt haben“. Und das war der Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte, oder, wie man heute sagt, einen „Shitstorm“ nach sich zog. Denn „Gleichschaltung“ gehört zum sprachlichen Repertoire des Dritten Reiches und war damals positiv aufgeladen, im Sinne von „ein Reich, ein Führer, ein Volk“.

 

Deswegen ist das Wort heute verpönt, ebenso wie „Volk“, „Mädel“ oder „Lebensraum“, und wenn es nur der von Bienen und Insekten ist. Mann oder Frau sollte auch nicht „Jedem das Seine“ sagen, obwohl es eine Weisheit des altgriechischen Philosophen Platon ist, woraus Karl Marx mehr als 2000 Jahre später den Grundsatz des Kommunismus ableitete: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen!“

 

 Marx war garantiert kein Nazi

 

Nun gibt es in der Bundesrepublik heute keine Reichspresse- oder Reichskulturkammer, welche in der Lage wäre, eine „Gleichschaltung“ durchzusetzen. Das bedeutet aber nur, dass es keine Gleichschaltung von oben gibt. Was es dagegen sehr wohl gibt, ist eine Gleichschaltung von unten, auf der Basis der Freiwilligkeit und in der Absicht, dem Guten zu dienen – der Willkommenskultur, dem Schutz der Umwelt und der Rettung des Klimas.

 

Wer zum Beispiel daran zweifelt, dass der Klimawandel anthropogene (menschengemachte!) Ursachen hat, wird umgehend zum „Klimaleugner“ ernannt, das Zweitschlimmste nach „Holocaustleugnern“. So geht „Gleichschaltung“ heute. Und wer das nicht begreift, der ist es schon.“

 

Was fiel dem wunderbaren Friedrich Schiller in erstaunlicher Vorausschau schon Anno Dunnemals dazu ein:

 

Freude trinken alle Wesen

An den Brüsten der Natur/

Alle Guten, alle Bösen

Folgen ihrer Rosenspur/

Küsse gab sie uns und Reben,

Einen Freund, geprüft im Tod/

Wollust ward dem Wurm gegeben,

Und der Cherub steht vor Gott.