Sally Godiva

Sally im Mini, mit Badetuch vor dem Parlament, Ehemann "Speaker" John (Foto: Combi)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleiner Mann, ganz grosse Frau!

 

Von PETER BARTELS

 

Der kleine Mann mit der großen Schnauze hat eine noch grössere Frau: Sally, blond,1,80 Meter. Ihr Mann, der Parlamentspräsident John Bercow,  ist 1,68 Meter. Er hat womöglich – wie geschrieben – den Brexit und Theresa May weggebrüllt. Wer ist Sally?

 

 ER ist seit ewig bei den Konservativen, SIE bei Labour. SIE 49 – ER 56 Jahre alt. Oder jung – up to you. Wenn das CDU-Pittermännchen Laschet mit  SPD-Pippi Nahles im Bett läge, wären beide am nächsten Tag tot. Politisch natürlich. Mindestens einer. Doch die Briten spinnen anders als die Teutonixe: Für die eine Hälfte ist John Bercow offenbar eine Art Asterix. Für die andere ist Sally eine Widergängerin von Lady Godiva. 

 

Lady Godiva ist eine britische Legende. Sie lebte  im 13.Jahrhundert. WiKi: „Das Volk (in Coventry) litt unter der Steuerlast, für die ihr Ehemann verantwortlich war. Lady Godiva ertrug es nicht, die Menschen leiden zu sehen. Sie bemühte sich, ihren Mann dazu zu überreden, die Steuerlast zu senken. Er erwiderte, er würde die Steuern erst senken, wenn sie nackt durch die Stadt reite. Denn Leofric rechnete nicht damit, dass seine Frau dies wagen würde. Doch sie ritt daraufhin, nur von ihrer offen getragenen, ungeschnittenen Haarfülle bedeckt, durch die Stadt … Vom Mut seiner Frau beeindruckt, habe er daraufhin alle Steuern erlassen, außer jene auf Pferde. Seit 1678 wurde der Ritt der Lady Godiva in Coventry durch eine Prozession gefeiert.“

 

"Nackt" am Fenster

 

So weit die Legende. Sally und John sind seit Jahren das „Skandalpärchen der britischen Politik“. Sie lernten sich als Studenten kennen, heirateten 2002, drei gemeinsame Kinder; eines ist behindert. Seit  John Bercow zum "Speaker" des britischen Unterhauses  ernannt wurde, sorgt „Silly Sally“ mit „seltsamen“ (deutsche Zeitungen) Auftritten für Schlagzeilen. Sie ließ  sich als 41jährige für den „Evening Standart“ nackt am offenen Fenster fotografieren, notdürftig in ein Badetuch gewickelt. Was für die robusten Briten offenbar nicht sooo schlimm war. „Etwas“ schlimmer war vielleicht, dass es am Fenster der Dienstwohnung  ihren Mannes geschah, sie hoch über der Themse, vor dem Britischen Parlament posierte … 

 

Natürlich blies der britische Boulevard „empört“ die Backen auf, ging ein Aufschrei des gespielten Entsetzens durch das politische London: "Darf die Frau eines ehrwürdigen Unterhaus-Speakers so was? Und spannte „empört“ den Bogen zur Wiege der modernen Demokratie, die angeblich in Westminster stand. „Ist damit gar die Ehre des Parlaments als Institution verletzt?“

 

Remember Surrender BILD

 

Unsereiner kennt sowas aus den Tagen, als zwei Reporter der „SUN“ mit zwei prallen Seite 1-Girls und einer großen Kanone das Springerhaus in Hamburg „stürmten“. Sie kämpften sich heldenhaft zur 6.Etage durch. Dann kaperten sie den Schreibtisch des damaligen BILD-Stellvertreters, postierten links und recht die properen „Girls Ihrer Majestät“. Surrender! Sie rissen die Kampfjacke auf, hauten dem frechen Feind die britischen Pfunde um die Ohren; er hatte gewagt, sich in den deutsch-englischen Handtuchkrieg am Strand von Mallorca einzumischen: „Die spinnen, die Briten!“  … Je nun, die Briten sind halt anders als die Germans. Herrlich anders …

 

Und so störte es sie eigentlich auch nicht wirklich, als „Silly Sally" für umgerechnet 45.700 Euro Gage in den Big Brother-Container von Channel 5 einzog. Freilich, einen Tag später wieder „rausgewählt" wurde. Die WELT zog die deutschen Brauen hoch: „Ihr Gatte war zwar dagegen, doch die ehemalige Oxford-Studentin setzte sich durch. Seitdem soll es bei den Bercows heftig kriseln“, hähmte sie.

Eine andere (deutsche) Zeitung zitierte genüßlich die Kolumnistin Rowan Pelling vom „Daily Telegraph“: „Damit hat SIE sich öffentlich hinrichtet … ER ist offenbar machtlos und vorsichtshalber in  Urlaub nach Indien entschwunden: „Bei Buchmacher William Hills laufen schon Wetten darauf, dass er wegen der Eskapaden seiner Ehefrau zurücktreten muss. Noch höhere Wettquoten gibt es für das baldige Ende der Ehe …“

 

Acht Jahre her … 

 

John Simon Bercow wurde inzwischen immer wieder zum „Speaker“ gewählt, zuletzt 2017. Es störte die Splendit Isolations-Briten nicht mal, dass Sally nach dem Strip am Fenster  frivol flötete: Ihr Mann, den sie um Haupteslänge überragt, sei kraft seines Amtes und ihr zum "Sex-Symbol" geworden. Erst später soll ihr gedämmert haben:  "Es scheint, als hätte ich mich komplett zum Idioten gemacht."

 

Es hat offenbar wirklich weder ihr noch ihm sonderlich geschadet. Sie sind immer noch verheiratet. Und er brüllt im Unterhaus immer noch das Parlament, Theresa May und den Brexit zusammen. Die Briten sind halt anders. Höflicher? Vorsichtiger? Nur ein einziger Bürger soll es seinerzeit im Mittelalter gewagt haben, der nackten Godiva auf dem Pferd zuzugucken: Peeping (Spanner) Tom! Er sei daraufhin erblindet … 

 

 

Seit Juli 1962  reitet Lady Godiva trotzdem einmal Jahr im Karneval auf einem weißen Pferd durch die Straßen von Coventry: transparenter Slip, nackt bis auf die lange Locken. Tausende Peeping-People am Straßenrand. Dem Vernehmen nach ist noch keiner erblindet …

Der damalige BILD-Vize und die beiden "Briten-Bomber": Surrender (Foto: SUN)