SPD-Nachruf!

Ein Name wie ein Gesicht: Thorsten Schäfer-Gümbel (Foto: SPD-Hessen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

 

Von PETER BARTELS

Der Kapitän geht immer als Letzter von Bord … Die Ratten springen früher … War immer so … Das einst stolze Schiff mit den geblähten roten SPD-Segeln sinkt und sinkt … Seit Papierschiffchen-Kapitän Schulz immer schneller .... Seit Pippi-Kapitänin Nahles guckt nur noch das dicke Heck aus dem Wasser … To whom it may concern: Der Erste der Letzten hat gerade abgemustert: Thorsten Schäfer-Gümbel. Kapitän der zerfledderten SPD-Landes-Fregatte in Hessen …

 

Gott erbarm, die roten Hesse kommen nicht mehr. Alberne 20 Prozent nach der letzten Wahl. 1991 waren es noch  40,8 Prozent. Doch dann kam Frau Ypsilanti. Und dann Herr Schäfer-Gümbel. Und die SPD-Wähler sind gelaufen. Zu den Freibeutern mit den GRÜNEN (19,8%) … Zu den AfD-Freiheitskämpfern mit den BLAUEN  Segeln. Nach den Sozi-Lemmingen jetzt der erste Kapitän: Schäfer-Gümbel. Er bringt sich nicht nur in Sicherheit – er verbessert sich. BILD:

 

„Drei Mal ist der SPD-Linke Thorsten Schäfer-Gümbel (49) als Spitzenkandidat in Hessen zur Wahl angetreten. Drei Mal hat der SPD-Bundesvize krachend verloren. Zuletzt 2018, als er die SPD unter die 20 Prozent-Marke führte, ein Drittel der Wähler verlor. Schlechter war die SPD in Hessen nie.“

 

Vorher 150.000 Euro, jetzt 200.000

 

Weiter:  „Er steigt komplett aus der Politik aus, wird Personalvorstand bei der staatseigenen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Jahresgehalt: 200 000 Euro. Ein Plus von rund 50 000 Euro gegenüber seiner Diät als SPD-Fraktionschef im Wiesbadener Landtag.“

 

Und haste nicht gesehen: Der studierte Politologe schrieb seine Magisterarbeit (1997) zum Thema „Europäische Forschungs- und Technologiepolitik. Perspektiven für ein neues Entwicklungsmodell“. BILD: „Mehr zum Thema „Entwicklungspolitik findet sich in seinem Lebenslauf bisher nicht…“ Und staunt weiter: Nun geht Schäfer-Gümbel (Markenzeichen: 16-Dioptrien-Brille nach Netzhautablösung mit 20 Jahren) also zur GIZ, die weltweit Entwicklungshilfe managt. Mit dem Wechsel zur Staats-Gesellschaft macht der dreifache Familienvater in der Hessen-SPD den Weg frei für „eine Neuaufstellung ohne mich“.

 

Edel ist der Sozi, hilfreich und klug. BILD: „Den Weg zum neuen Job im hessischen Eschborn bei Frankfurt musste ihm die Parteispitze in Berlin freiräumen: Den Sozialdemokraten steht laut GroKo-Vertrag im Parteien-Proporz der GiZ-Posten zu. Doch die Nominierung als Personalchef (1. Oktober 2019)  ist auch parteiintern umstritten.

 

Kritiker sprechen von „Postenschieberei!“, „eingefädelt vom Führungsduo“ um Finanzminister Olaf Scholz (60) und Parteichefin Andrea Nahles (48).“ Also Polit-Rente mit 49! Da kommt Freude auf, nicht nur bei der AfD. FDP-Fraktionsvize Christian Dürr zu BILD: „Es ist keine gute Idee, wenn gescheiterte Spitzenpolitiker als Belohnung einen Job in staatlichen Organisationen bekommen. Er profitiert von seinen politischen Kontakten, nicht von seiner Fachqualifikation.“

 

Raffkes Liste …

 

Das Blatt knurrt: Schäfer-Gümbel ist kein Einzelfall. Wenn loyale Parteifreunde versorgt werden müssen, „geht zu wie auf dem Bazar“. Ein Ex-Minister: „Einen für dich, einen für mich...“. Dann listet BILD die Liste der Raffkes auf:

 +Tanja Gönner (49, CDU): Juristin aus Baden-Württemberg. Unterlag bei internen Kampfabstimmungen um den Vorsitz der Landtagsfraktion, wurde 2004 Sozial-, später Umwelt- und Verkehrsministerin in BaWü. Nach dem CDU-Machtverlust fiel sie weich, wurde auf CDU-Ticket 2011 Chefin der GIZ. Damit ist sie ab Herbst Vorgesetzte von Thorsten Schäfer-Gümbel. Bei der GIZ ist genügend Platz für Wahlverlierer von SPD u n d CDU ...

+Annette Schavan (63, CDU): Ex-CDU-Vize, musste 2013 wegen einer Plagiats-Affäre als Bildungsministerin zurücktreten. Diese grenzenlose Peinlichkeit war aber kein Hindernis, dass die enge Vertraute der Kanzlerin nicht doch noch deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom werden konnte. Das blieb sie bis Juni 2018.

+ Klaus-Dieter Scheurle (CSU): Ex-Chef der Bonner Regulierungsbehörde (Telekom, Post), später Banker (Credit Suisse). 2009 holte ihn CSU-Verkehrsminister Ramsauer als Staatssekretär zurück, ernannte ihn – 1 Jahr vor der Bundestagswahl – zum Chef der Deutschen Flugsicherung (Bezüge: rund 530 000 Euro/Jahr).

+Ronald Pofalla (59, CDU): Generalsekretär (2009–2013), Kanzleramtschef unter Angela Merkel; wechselte 2015  nach erzwungenen 12 Monaten Wartezeit zur Bahn,  2017 in den Vorstand – geschätztes Gehalt über 1 Million.

+Gunther Adler (56, SPD): Sollte seinen Posten als Baustaatssekretär im Bundesinnenministerium eigentlich für den abgelösten Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen (CDU) räumen, wurde stattdessen Ende Januar (auf dem Ticket der Gewerkschaften) Arbeitsdirektor der neuen Autobahn-Gesellschaft des Bundes.

+Wolfram König (61, Grüne): 1994–98 Staatssekretär im Umweltministerium von Sachsen-Anhalt, danach (bis 2017) Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz. Danach Präsident des „Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit“.

+ Andrea Voßhoff (60, CDU): Verlor 2013 (nach 15 Jahren Bundestag) ihren Wahlkreis Rathenow (Brandenburg) gegen SPD-Fraktionschef Steinmeier. Entschädigt wurde sie mit dem Posten als Bundesbeauftragte für Datenschutz (bis Januar 2019).

 

Noch Fragen, Wähler? Die nächste Wahl-Urne kommt. Erstmal im Mai …