Maas & Matussek

Matussek, Beckmann, Fleischhauer. Oben: die 3 Freunde von der Tanke. (Foto: Montage)

 

 

 

 

 

Freunde für‘s Leben

 

Von PETER BARTELS

 

Ein Freund, ein guter Freund,

Das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.

Ein Freund bleibt immer Freund,

Auch wenn die ganze Welt zusammen fällt“

 

„Die Drei von der Tankstelle“, Willy Fritsch, Oskar Karlweis, Heinz Rühmann, die wunderschöne Lilian Harvey. 15. September 1930, Gloria-Palast, Berlin. Heute würden die Pro7-Zwerge keuchen: „Weltpremiere“... Letzten Samstag feierte Matthias Matussek seinen 65.Geburtstag. Montag twitterte SPD- Aussenminister (!!) Heiko Maas: „Ich finde: Die bürgerlichen Eliten sollten für Demokratie einstehen, anstatt an ihr zu sägen!" … "Der Fall #Matussek ist dafür ein weiteres Negativbeispiel."

 

„Aussenminister“? Iran? Brexit? Trump? Putin? Alles Quatsch. Eine private Geburtstagsfeier in Hamburg! Matthias Matussek!! Jesuitenschüler, Erz-Kathole, gefühlte „148 Jahre“ SPIEGEL-Kulturchef (the best ever), WELT-Autor, von einem SPRINGER-Tiefflieger gefeuert, weil er ein „falsches“ Smiley gepostet hatte. Jetzt also Häppy Börsday. Gäste querbeet. Weggefährten,“Weggefährten“, alte, neue Freunde. Eine nette, ältere Dame, Erika Steinbach (75), umarmte ihn. Sie macht nach dito „gefühlten 148 Jahren CDU“ jetzt für die AfD die Erasmus-Stiftung. 

 

Die CDU nennt das Erhard-Stiftung, die SPD Ebert-, die FDP Naumann-, die GRÜNEN Böll-, die LINKEN Rosa Luxemburg-Stiftung. Natürlich … Und einer von der „Identitären Bewegung“ war auch bei Matussek. Weiß der Henker, warum. Dieser „Identitäre“ jedenfalls hatte  mal einem brüllenden 17jährigen Antifa-Linkslinken auf’s Maul gehauen. Mit einem „Totschläger“ (Schrauben im Taschentuch); „gefährliche Körperverletzung“, siebeneinhalb Monate „Bewährung“. Sechs Jahre her…

 

 Reinhold Beckmann(63) war auch da: SAT1-Sportmoderator, ARD-Sportmoderator, ARD-„Talkmaster“, Hobby-Klampfer. Auf wundersame Weise „Weggefährte“ von Matthias Matussek. Er kam natürlich mit Gitarre. Und klampfte. Bob Dylan, "Things have changed" Zwölf Stunden später das furchtbare Erwachen auf Facebook: „Er habe sich verlaufen … Das Lied sei als "vergiftetes Geschenk" gemeint gewesen … Er habe damit seine Widerworte gegen den Irrweg seines Freundes zum Ausdruck bringen wollen …Aber das sei ein Fehler gewesen: "Ich hätte dort nicht hingehen sollen."

 

Beckmann bitte nicht mehr, Frau Sekretärin …

 

Man muß mit dem eitlen Reinhold Beckmann mal gegessen haben, um zu ahnen, was für ein Buckel er ist, auf welcher Schleimspur er eiert. Auch wenn er wirklich lange, aber beharrlich unsereiner, dem damaligen Chefredakteuer, via Sekretariat um einen Termin am Mittagstisch im feinen Schickimicki-Freßtempel angebettelt hat. Auch wenn er großzügig alles bezahlt hat: Gehört, gewogen und für zu leicht befunden  Bitte nie wieder, Frau Sekretärin … Bitte wimmeln Sie ihn das nächste Mal ab!! Das Rätsel des „gemeinsamen Weges“ Beckmann/Matussek bleibt …

 

Matussek hatte auch einen Weggefährten eingeladen: Jan Fleischhauer (57): „Ein Freund von mir … Mein langjähriger Kollege … Ich kenne Matussek seit 30 Jahren … Wir haben fast zeitgleich beim SPIEGEL angefangen … Unsere Söhne sind gleich alt … Ein paar Mal waren wir mit den Familien gemeinsam im Urlaub.“ … Dieser Jan Fleischhauer ist immer noch beim „Spiegel“, der zu Matusseks Zeiten noch SPIEGEL hieß.

 

 Warum Beckmann zu Matussek kam …

 

Also Fleischhauer: „Ich habe mich an dem Abend bei Matussek länger mit Beckmann unterhalten. Er erzählte mir von seinem Vater, der von einem Tag auf den anderen im Ort gemieden wurde, weil er mit seinem Futtermittelbetrieb in die Insolvenz gegangen war. Beckmann berichtete, wie die Leute im Dorf hinter seinem Rücken getuschelt und mit dem Finger auf ihn gezeigt hätten: "Ist das nicht der Sohn vom Beckmann?" Bankrott … galt damals noch als Schande. Die ganze Familie durchlebte, was es heißt, wenn man von allen geschnitten wird. Dies sei ihm eine Lehre fürs Leben gewesen, sagte Beckmann, auch deshalb sei er zur Geburtstagsfeier seines alten Freundes gekommen.“

 

 ZDF-Moderator Jan Böhmermann (38) kam nicht. Aber der unbegabtestes „Spaßmacher“ aller Fernsehzeiten („Erdowahn ist ein Ziegenficker“) schrieb dazu, Fleischhauer:

  Dass sich aus der Teilnahme Fragen nach den journalistischen und ethischen Standards des SPIEGEL ergäben. In einem Fragenkatalog (Verhör) verlangte er von der „Spiegel“- Chefredaktion Auskunft, „ob sie vorab Kenntnis von der Zusammenkunft“gehabt habe … Wie sie es bewerte, wenn Redaktionsmitglieder "mit Neonazis Party machen". Fleischhauer: „Zur Sicherheit gingen die Fragen am Montag noch einmal per Rundmail rum.“

 

Fleischhauer war auch schon mal bei Astrid Proll …

 

Das alles „enthüllt“ Jan Fleischhauer in seiner „Spiegel“-Online-Kolumne, Überschrift: „Freund-Feind-Denken – Kontaktschuld“, Vorspann: „Darf man als SPIEGEL-Redakteur an einer Geburtstagsfeier teilnehmen, zu der auch Menschen mit rechter oder sogar rechtsradikaler Gesinnung eingeladen sind?“ Der Autor: Einmal war ich in London auf einer Party, wo auch Astrid Proll zu Gast war. Proll, die zu den Mitbegründern der RAF gehörte, saß wegen Brandstiftung, Raubüberfall und Urkundenfälschung fast vier Jahre im Gefängnis… „Auch mit Bommi Baumann war ich schon auf einer Party. Diese wurde in Berlin vom SPIEGEL veranstaltet…“ Bommi kurz: Banküberfall, Bombenanschlag, fünf Jahre Knast, zentrale Figure der linksradikalen Szene, Mitbegründer der Bewegung 2. Juni.

 

Bei Matussek war’s also ein „Identiärer“!! Fleischhauer: „Ich kannte den Mann nicht. Ich habe mit ihm kein Wort gewechselt, weil es zu viele Gäste gab. Jetzt heißt es, ich hätte mit Neonazis gefeiert.“ Und: „Darf man als Redakteur des SPIEGEL an einer Feier teilnehmen, zu der auch Menschen eingeladen sind, die rechts oder vielleicht sogar rechtsradikal sind?“

 

Und:  „Macht man sich mit der Meinung der Umstehenden gemein, wenn man auf den Gastgeber einen Toast ausbringt? Oder: Fraternisiert man bereits mit Rechten, wenn man am Büfett steht, statt Reißaus zu nehmen? Denn das ist ja der Vorwurf: Wer mit solchen Leuten auf einer Geburtstagsfeier zusammenstehe, normalisiere rechtes Denken und trage es damit in die bürgerliche Mitte.“

 

Dann kommt der „Spiegel“-Mann auf den Punkt: „Wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, ist jeder (zufällige) Kontakt ein Schuldbeleg. Im Prinzip reicht es schon, dass man sitzen bleibt, wenn einer mit der falschen Gesinnung an den Tisch tritt … Du hättest damit rechnen müssen, dass der Gastgeber zweifelhaften Umgang pflegt.“

 

Matussek auf der Bierkiste

 

Dann macht Weggefährte Fleischhauer doch ein bißchen Kotau. Er schreibt: „Ich halte Matussek für einen Wirrkopf. Ich habe ihn politisch nie ernst genommen. Wer in nüchternem Zustand in der Hamburger Innenstadt auf Bierkisten steigt, um die Zuhörer zum Aufstand aufzurufen, ist bestenfalls ein Bajazzo, im schlimmsten Fall ist er reif für die Klapsmühle.“ 

 

Die Wahrheit: Matussek hatte in eisiger Kälte vor dem Dammtorbahnhof vor ein paar Hundert skandiert: „Merkel muß weg! Merkel muß weg!“ Wahrscheinlich waren auch ein paar AfD-Wähler unter den Zuhörern. „Aufstand?“ Genau das klingt nach Beckmann, nach Böhmermann, Herr Kollege, Fleischhauer …

 

Fleischhauer gerafft: „Aber die Entscheidung, ob man deswegen einem Freund die Freundschaft aufkündigt, ist eine private Angelegenheit ... Die Öffentlichkeit bewegt sich nicht mehr in einer freiheitlichen Gesellschaft, wenn Fernsehspaßmacher  als McCarthy-Wiedergänger den Ton angeben. Und: „Heute ist es eine Geburtstagsfeier …“ Das „Morgen“ beantwortet er mit Gestern: Bei der Trauerfeier für die RAF-Terroristen  Ensslin, Raspe und Baader hat man die Namen der Trauergäste notiert …Damals sprach man von Sympathisanten. Der Begriff von der "Normalisierung" gesellschaftsfeindlichen Denkens war noch nicht erfunden. Gemeint war dasselbe.“

 

Schließlich: „Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Frage, ob man an der Geburtstagsparty eines Freundes teilnimmt, zur Mutprobe wird.“ Dann haut er  heischend in die Tasten: „Ich glaube, und sei es zu meinem eigenen Trost, dass die meisten Menschen in Deutschland darüber so denken wie ich.

 

Und auch hier beweist der „Spiegel“-Mann wieder, dass er sich längst unterworfen hat. Die normative Kraft des Faktischen halt …