Lügenbaron II.

Dirk Gieselmann, der neue "Lügenbaron": Preise über Preise (Foto: Kreiszeitung)

 

 

 

 

 

Lügenbaron II.

 

Der Bi-Ba-Butzemann geht um. Fidibum!

 

Von PETER BARTELS

 

Singen wir’s mit den Kindern: „Es geht ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Kreis herum, fidibum …

Er rüttelt sich und schüttelt sich und wirft sein Säckchen hinter sich!“ … Sagen wir’s für die Leser: Die Exorzisten haben schon wieder einen „Relotius“ enttarnt. Name: Dirk Gieselmann. Er log für die SÜDDEUTSCHE, die ZEIT und – ouuups- auch wieder für die Spiegelbarone. Jetzt liegt er auf der Streckbank. Die Fingernägel haben sie ihm schon rausgerissen … 

 

Dabei hat er eigentlich alle frühzeitig vor sich selbst gewarnt! Einer der EXORZISTEN, der Blog MEEDIA, der den neuen Relotius (nach „Spiegel“-Claas) schon vor zwei Wochen öffentlich (aber anonym) an den Pranger stellte: „In ‚Mein Leben als Igel‘schrieb der Autor über seine “Schüchternheit” …  die Auswirkungen auf seinen Job. Es ist wie ein Offenbarungseid.Dirk Gieselmann:

 

Meine Schüchternheit reproduziert sich immer wieder selbst durch den Vergleich mit der erschlagenden Zahl von anderen, die besser, größer und schöner sind als ich. So ist es auch beim Schreiben, das durch einige bizarre Zufälle zu meinem Beruf geworden ist.Irgendwann, denke ich, muss doch auffallen, dass ich dieses Handwerk gar nicht recht beherrsche. Seit über zehn Jahren lebe ich nun schon mit dieser Angst aufzufliegen. Wenn ich auf meine Ausrüstung schaue, einen Notizblock, ein Diktiergerät, Stifte, kommt sie mir vor wie Karnevalsrequisiten.“

 

Marvin Schade entblättert für MEEDIA den neuen Lügenbold, der zum neuen Lügenbaron, zum „Spiegelbaron II.“ wurde. Er fing bei den Münchner „Staatsanwälten der linken Gesinnung“ an, bei der SÜDDEUTSCHEN Alpenprawda. Dann ZEIT. Dann „Spiegel“. Dann TAGESSPIEGEL.  Dann Preise: Henri Nannen-Preis … Reporterpreis … 3.Platz für „Journalist des Jahres“. Dann die Überprüfungen: „Sein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit“. 

 

Der Lüge überführt …

 

MEEDIA: „Beim Journalisten handelt es sich um Dirk Gieselmann. Er ist der Autor, den die Süddeutsche Zeitung  (Magazin) einer Lüge überführt hatte … Er hatte eine „Protagonistin“ (deutsch: Frau) frei erfunden.“ … Alles flog auf, als die Redaktion die Frau fotografieren wollte. Es gab sie nicht, wie der „schüchterne“ Reporter Gieselmann gestand . „Erfunden“. Ente. Ende …

 

Wie immer: Zieht man einen Stein raus, stürzt die Mauer, hier das ganze Lügengebäude, ein. Die ZEIT (ONLINE): In einem Drittel von rund 50 Texten waren „Fehler“ aufgefallen … Der Reporter habe die letzten drei Jahre 30 Beiträge für ZEIT Online und 11  für die ZEIT geschrieben.  “Schludrigkeiten“ … „Unsauberkeiten” …  „Fehler … die “offenbar die Dramaturgie der Beiträge unterstützen sollte“.

 

 So dichtete der Reporter „verdichtend“ Ereignisse  auf einen Tag, die über eine Woche passierten ... “Einrichtungsgegenstände zweier Räume wurden vertauscht”… „Natürlich“ wurden “alle bisher gefundenen” Fehler im Online-Archiv „korrigiert“. Eine ZEIT-Sprecherin begöschert: „Mehr Details können wir nicht geben, ich bitte um Ihr Verständnis.”

 

Beim heiligen Hans

 

MEEDIA: „Mehrmals wurde im “Atlas der Angst” korrigiert. Hier veröffentlichten das Zeit Magazin (Titelgeschichte vom 7. März 2017) und Zeit Online Vorab-Auszüge aus dem gleichnamigen Buch …“. Als da sind: Falsche Zahlen … Falsche Maßeinheiten … Der Einstiegstext über den Ort Simbach, wurde entfernt … Eine Zeitungsschlagzeile zum Ort Barßel gestrichen  Story “Beim heiligen Hans”, Diepholz, Gaststätte „Moorhof“,  die „Häufigkeit der Mittagessen, Einkäufe, Familienfotos, Zeitangaben, Ortsangabe, Berufsangabe, Gäste – alles falsch, nachträglich korrigiert, gestrichen.

 

MEEDIA: Auch bei„Spiegel“ … „Tagesspiegel“ lauter Fragezeichen. August 2018, Reihe “Homestory”, die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich in Berlin auf dem Weg zum Tanzunterricht verlaufen hatte. Gieselmann beschreibt, wie er dem Mädchen half, wieder nach Hause zu kommen.Überprüfbar wurde die Geschichte, weil sie der  Tagesspiegel schon im Dezember 2015 (Rubrik “Fünf Minuten Stadt”) gebracht hatte. Da schrieb er “Annelieweine nicht”. Ein Mädchen, das sich auf dem Weg zum Tanzen verlaufen hat.

 

Pirouetten oder Betonmauer …

  

Beim „Spiegel“ war Sommer, drehte das Mädchen “Pirouetten” auf den “Parkplatz”. Beim Tagesspiegel war Winter: Daunenjacke, “beschlagene Brille”, balancierte es auf einer Betonmauer … Beim „Spiegel“ hat das Mädchen eine “Skizze” (Weg zur Tanzschule), im Tagesspiegel gab’s nicht mal einen Zettel mit Mamas Telefonnummer … Im „Spiegel“ sind Mama und Papa Krankenpfleger, tagsüber nicht erreichbar, beim Tagesspiegel nichts …

 

Aber … der „Tagesspiegel“ glaubt die Story noch immer. Der „Spiegel“ hat den Autoren gefeuert. Die SPIEGEL-Dokumentation: 43 Veröffentlichungen, 40 bei SPIEGEL ONLINE, 2 im Heft, 1 bei SPIEGELplus. Bei 39 Texten wurden keine Hinweise auf „bewusste Manipulationen“ festgestellt; in zwei Fällen läuft die Überprüfung noch. In einem Fall haben wir Hinweise auf Manipulationen; ein Text, der im „Spiegel“ und auf  „Spiegel plus“ stand, aber Jahre vorher in einer Tageszeitung erschienen war.

 

Fact oder  Fiction?

 

MEEDIA: Mit dem Fall Gieselmann wird deutlich, dass es sich kaum mehr um einen Einzelfall handelt. Unabhängig von Unstimmigkeiten, falscher Fakten oder Änderungen zu dramaturgischen Zwecken, schafft die Quantität eine besondere Qualität“ … Und: „Wenn der Autor Fakten aus dramaturgischen Gründen geändert hat, wie steht es dann um tatsächlich rein subjektive Schilderungen – was ist Fiktion, was nicht? Für Faktenchecker eine schier unlösbare Herausforderung. Fest steht: Mit SÜDDEUTSCHEZEIT und „Spiegel“ haben sich drei Leitmedien vom Autoren getrennt.

 

Was bleibt? Nichts! Der Exodus der Millionen Leser hält an. Die Exorzisten kommen zu spät. Viel zu spät …